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Die oszillierende Dampfmaschine des Raddampfers HRADČANY

Fotos: Dr. Balck TU-Clausthal, J. Wiese

Das Schiff Ansicht Fahrstand Rückseite ND-Zylinder

1855 ließ die Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrtsgesellschaft von der Moabiter Maschinenbauanstalt in Berlin eine oszillierende Dampfmaschine in ihren neuen Schaufelraddampfer KAISER FRANZ JOSEPH einbauen. Als man 1880 den Dampfer verschrottete, war die Dampfmaschine noch völlig intakt, so dass sie in einen neuen Dampfer, L= 50m, B= 9,59m, gleichen Namens eingebaut werden konnte. Dieser 1911 nach Österreich verkaufte Dampfer erhielt nach dem 1. Weltkrieg von den Tschechen den Namen MĔLNIK. Unter den Nationalsozialisten wurde er wieder auf einen deutschen Namen, PETER PARLER, umgetauft. Nach 1945, nun wieder in tschechischem Besitz, erhielt er nach der Prager Burg den Namen HRADČANY und befuhr die Moldau zwischen Prag und Slapy. 1968 wurde der Dampfer endgültig stillgelegt.
Gute Beziehungen Lauenburger Schifffahrtskreise zur Schifffahrtsabteilung der Prager Verkehrsbetriebe und der ČSPLO in Děčín ermöglichten noch vor dem russischen Einmarsch in Prag im Jahre 1968 den Ankauf dieser technisch äußerst interessanten Maschine.
Diese Bauart ist dadurch gekennzeichnet, dass die Kolbenstange unmittelbar an der Kurbelwelle angreift, die Zylinder sind daher beweglich angeordnet und vollziehen eine schwingende, d.h. oszillierende Bewegung. Der Dampf zum Zylinder wird durch die hohlen Drehzapfen desselben zum Schieberkasten geführt, der mit dem Zylinder eine Einheit bildet, siehe Bild ND-Zylinder.

Der englische Ingenieur John Penn, Sohn eines Mühlenbauers, geb. 1805 in London, begann schon mit 20 Jahren die ersten Schiffsdampfmaschinen in der väterlichen Fabrik zu bauen. Ab ca. 1830 arbeitete er mit Werften an der Themse zusammen und verbesserte ständig die bereits bekannten oszillierenden Maschinen. Berühmtheit erlangte er durch die konstruktive Verlegung des Dampfschiebers von vor dem Hohlzapfen direkt auf den Zylinder, sowie einer Schiebersteuerung durch die von ihm konstruierte so genannte Pennsche Kulisse. Sämtliche Verbesserungen machten die oszillierende Maschine leichter und weniger anfällig. Damit wurde die oszillierende Maschine, auch Pennsche Maschine genannt, ideal als Schiffsmaschine und durch ihr geringes Gewicht besonders für seichte Flussgewässer wie die Oberelbe geeignet. Sie löste die bis dato übliche und schwere Seitenbalanciermaschine ab, die 1815 von der englischen Firma Boulton, Watt & Co. entwickelt wurde und als erster Schiffsmaschinentyp bezeichnet werden kann.

Die Maschine der KAISER FRANZ JOSEPH wurde als Zwillingsmaschine mit Einspritzkondensation gebaut, die bei einem Betriebsdruck von 1,4 atü 40 PSn leistete.
1942 wurde sie von der Maschinenbauanstalt Ruston & Co., Prag in eine Verbundmaschine durch Einbau eines neuen Hochdruckzylinders umgebaut.
Interessant ist auch die Kurbelwelle, sie trägt die Inschrift „ Sächsische Gußstahlanstalt Döhlen bei Dresden 1858. 10 Jahre Garantie“, um Ansprüche für die erste, nach 3 Jahren gebrochene Welle zu sichern. Mit der zweiten Welle ist das Schiff dann 110 Jahre gelaufen!
Am Ende der Kurbelwelle ist das originale Schaufelrad angebaut, es vermittelt einen lebendigen Eindruck dieser historischen Antriebsart.
Ein eingebauter Elektromotor setzt die Maschine in Bewegung.

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